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Exkursionstag des Leistungsfachs Geschichte in Fürth und Nürnberg

Um Erinnerungskultur nicht nur theoretisch zu durchdringen, sondern auch unmittelbar erfahrbar zu machen, begab sich das Leistungsfach Geschichte am 15. Juli 2026 auf eine Tour des Gedenkens durch Fürth und Nürnberg. Auftakt bildete das LEZ in Fürth – das „Ludwig-Erhard-Zentrum“ im Geburtshaus des ehemaligen Bundeskanzlers unweit des Rathauses. Neben einer ansprechend gestalteten Führung ließ sich das Haus auch per App individuell erkunden. Der Rundgang eröffnete nicht nur eindrucksvolle Einblicke in die Wirtschaftswunderjahre, die Genese der Sozialen Marktwirtschaft sowie die deutsche Teilung und präsentierte ausgewählte „Schätze“ aus Erhards Amtszeit; er spannte zugleich, ausgehend von dessen Biografie, den Bogen von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis in den Nationalsozialismus. Auch die Sonderausstellung zu den gebürtigen Fürthern Henry und Walter Kissinger erwies sich als sehenswert. Den Abschluss bildete ein Besuch im „Café Luise“, einem Erinnerungsort besonderer Qualität: Hier führten Erhards Eltern einst ein Weißwarengeschäft.

Im Anschluss ging es mit der U-Bahn zum „Memorium Nürnberger Prozesse“ in der Fürther Straße. Dort erkundeten wir eigenständig – unterstützt durch eine App – den historischen Gerichtssaal 600, den Schauplatz der Hauptkriegsverbrecherprozesse, sowie die umfangreiche, textintensive Ausstellung. Die Sonderausstellung im „Cube“, einer umgebauten Autowerkstatt in unmittelbarer Nähe des Justizpalastes, stieß hingegen unter den gegebenen Umständen auf verhaltene Resonanz. Zwar war das Thema „Volksgerichtshof 1934–1945“ instruktiv und anschaulich aufbereitet – besonders aufschlussreich: die Karrieren einzelner Juristen des Volksgerichtshofs im bundesdeutschen Justizwesen nach 1945 –, doch minderten die große Hitze in den Räumlichkeiten und das einsetzende Mittagstief die Aufnahmebereitschaft deutlich.

Gerichtssaal 600 – Ort der Nürnberger Prozesse

Nach einer kurzen Pause brachte U- und S-Bahn die Exkursionsgruppe weiter zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Die neue Dauerausstellung in der ehemaligen Kongresshalle befindet sich derzeit noch im Probebetrieb, sodass nicht alle interaktiven Elemente zugänglich sind; gleichwohl vermittelt sie einen vielschichtigen und eindringlichen Einblick in die ebenso faszinierende wie gewaltgeprägte Geschichte dieses Erinnerungsortes. Der Mediaguide leitet die Besucher gezielt durch die Ausstellung und erschließt zusätzlich audiovisuelle Quellen. Analytisch besonders gewinnbringend ist eine Station, an der Leni Riefenstahls Propagandafilm „Triumph des Willens“ quellenkritisch dekonstruiert werden kann. Insgesamt fand die neue Ausstellung großen Zuspruch bei den jungen Historikerinnen und Historikern des Leistungsfachs.

Exkursionsgruppe vor der ehemaligen Kongresshalle

An der S-Bahnhaltestelle „Dutzendteich“ endete schließlich eine Exkursion, die zentrale Aspekte des Halbjahres 12/2 anschaulich aufgriff und vertiefte.

(Text und Fotos: Markus Wawrzynek)