Herzlich willkommen am Adam-Kraft-Gymnasium

Projekttag „Lernort Rathaus“

In der fiktiven bayerischen Gemeinde Langenhausen hat der Gemeinderat eine konfliktgeladene Tagesordnung vor der Brust. Jüngst veröffentliche Forschungen einer benachbarten Universität haben schwere Vorwürfe gegen den Namensgeber der Bennigsenstraße, den Kolonialbeamten Rudolf von Bennigsen hervorgebracht. Während seiner Dienstzeit in der deutschen Kolonialverwaltung in Afrika soll er an Kriegsverbrechen gegen die einheimische Bevölkerung beteiligt gewesen sein. Der Gemeinderat muss nun entscheiden: Kann die Bennigsenstraße in Langenhausen noch ihren Namen behalten oder muss sie umbenannt werden?

Vor diesem Problem standen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 11b des Adam-Kraft-Gymnasiums während ihres Projekttags „Lernort Rathaus“, den sie im Gemeindezentrum von Rednitzhembach durchführten. „Wir als Schule freuen uns, dass die Gemeindeverwaltung – bis hin zum Bürgermeister – sofort von unserer Projektidee begeistert war“, sagt Politiklehrer Tobias Dollenmaier, der als Referent an der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit an der Ausarbeitung dieses Lernorts beteiligt war. Der Projekttag begann für die Schülerinnen und Schüler mit einer Begrüßung durch den Geschäftsleitenden Beamten Klaus Helmrich und dem Mitglied des Gemeinderats Jörg Deffner. Beide stellten den interessierten Elftklässlern die Arbeit einer Gemeindeverwaltung vor und gaben spannende Einblicke in die Welt der ehrenamtlichen Gemeinderatsmitglieder. Auch durch die geschickten Nachfragen kamen auf diese Weise erhellende Erkenntnisse über die Politik vor Ort zutage. So teilte der Erste Bürgermeister Jürgen Spahl mit, dass er erst im Süden des Landkreises Gasthäuser habe, in denen er mit seiner Frau privat essen gehen könne. „Man ist sonst immer ansprechbar“.

Anders als bei Podiumsdiskussionen von Politikern schlüpften die Schüler selbst dann in die vorbereiteten Rollen von Gemeinderatsmitgliedern und begannen ihr Planspiel mit dem Titel „Wie umgehen mit der Vergangenheit?“ Über zwei Stunden hinweg diskutierten sie im Sitzungssaal des Gemeinderats und berieten über die Anträge der Fraktionen. Die „echten“ Gemeindevertreter lauschten über weite Strecken interessiert der Debatte ihrer Amtskollegen. Nach zwei Rats- und Fraktionssitzungen kam es zu den Schlussabstimmungen im Gemeinderat. Ergebnis: Die Bennigsenstraße in Langenhausen darf ihren Namen behalten, eine Erinnerungstafel soll durch eine AG der ortsansässigen Schule erarbeitet werden. Im abschließenden Debriefing glich Gemeinderatsmitglied Jörg Deffner die Beratungen der Jugendlichen mit denen in einem echten Gemeinderat ab.

„Wir bedanken uns bei der Gemeinde Rednitzhembach, dass sie unseren handlungsorientierten Ansatz in der politischen Bildung so fabelhaft unterstützt hat und freuen uns schon auf die Wiederholung im kommenden Jahr“, schloss Politiklehrer Dollenmaier im Namen seiner Klasse die Veranstaltung.

Text und Fotos: Tobias Dollenmaier